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Die Ukraine – ein Land mit wechselvoller Geschichte und reicher Kultur

Im Jahr 2004 unternahm der Seppenrader Dietmar Wittekind eine dreiwöchige Reise durch dieses Land.

Seit Wladimir Putin 2014 die Krim besetzen ließ und die prorussischen Separatisten in ihrem Aufstand gegen die westlich orientierte Zentralregierung in Kiew militärisch unterstützte, ist die Ukraine in allen Medien präsent, erst recht seit Beginn des Angriffskriegs am 24. Februar 2022.

Im Jahr 2004 unternahm der Seppenrader Dietmar Wittekind eine dreiwöchige Reise durch dieses Land. Er sah geschichtsträchtige Städte und imposante Sakral- und Profanbauten. Imponierend fand er die Vielgestaltigkeit der Landschaft nördlich der Karpaten, die eine natürliche Grenze nach Süden bilden. Am Dienstag berichtete er auf Burg Lüdinghausen von seinen Eindrücken, mit vielen Fotos. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft (DPG) hatte ihn eingeladen.

Denn der Raum, den wir heute als die Ukraine wahrnehmen, den es aber in dieser Gestalt erst seit der sowjetischen West-Expansion (als Folge des Hitler-Stalin-Paktes von 1939, dessen Festlegungen auch Teile der Nachkriegsordnung bleiben) gibt, weist auch eine gemeinsame Geschichte mit Polen auf:

Im Jahre 1569 kommen große Teile dieses Gebietes an das Königreich Polen-Litauen, das im „Grenzland“ („Ukraine“) zum Moskauer Reich große Teile der am Dnjepr ansässigen Kosaken unter seine Kontrolle brachte. 1772 fällt bei der 1. Teilung Polens Galizien (mit Krakau und Lemberg) an Österreich-Habsburg. Im November 1918, im Monat der Neugründung eines souveränen polnischen Staates, erobern polnische Truppen Lemberg. Und im September 1921 wird im Frieden von Riga die Grenze zwischen der Sowjet-Ukraine und Polen neu festgelegt. „Polen und Russen anerkannten die Ukrainer nicht als eigenständige Nation, sondern betrachteten sie meistens als Bestandteil ihrer eigenen Nation“, stellt der Historiker Andreas Kappeler fest.

Dietmar Wittekind verband in seinem persönlichen Reisebericht immer wieder die Beschreibung von erlebten Städten und Landschaften mit kulturhistorisch interessanten Anmerkungen. Er sah immer wieder riesige Weizenfelder. Im Raum der heutigen Ukraine siedelten nach 1774 Millionen Deutsche, herbeigerufen von der Zarin Katharina der Großen, einer deutschen Fürstentochter. Sie wollte, nach dem Sieg im Krieg gegen die Osmanen und der Eroberung der Krim, die südlichen Gebiete durch eine Förderung der Landwirtschaft erschließen.

Die Lyriker Rose Ausländer, Paul Celan und der Romancier Joseph Roth wurden in dem Städtchen Czernowitz in der damals österreichischen Bukowina geboren, wo der Anteil der jüdischen Bevölkerung groß war. Die Christen gehörten mehrheitlich zur russisch-orthodoxen Kirche. Von der tausendjährigen Tradition des Christentums in dieser Region zeugt vor allem die im 11. Jahrhundert errichtete Sophienkathedrale in Kiew, die ihren Namen von der Hagia Sophia in Konstantinopel ableitet. In diesem Gotteshaus wurde auch die erste Bibliothek der „Kiewer Rus`“, des altrussischen Reiches, gegründet.

Wittekind präsentierte auch Fotos von der am Schwarzen Meer gelegenen Hafenstadt Odessa. Und von Jalta, der auch von der sowjetischen Elite immer wieder aufgesuchten Sommerfrische auf der Krim, wo Anfang Februar 1945 im Liwadija-Palast von Roosevelt, Churchill und Stalin über die Aufteilung Deutschlands nach dem Sieg über Hitler gesprochen wurde. Zu den Folgen des Zweiten Weltkriegs gehört dann auch, dass die deutschen Ostgebiete unter polnische Verwaltung gestellt wurden. Eine Gelegenheit, die aus den ehemals polnischen Ostgebieten um Lemberg (Ostgalizien) vertriebenen Polen nun im Zuge der „Westverschiebung“ Polens vor allem in Schlesien anzusiedeln, auch in der Lüdinghauser Partnerstadt Neisse, dem heutigen Nysa.

Und dass Sewastopol im Südwesten der Krim seit langer Zeit der Stützpunkt der sowjetischen bzw. russischen Schwarzmeerflotte ist, wird wohl auch ein entscheidendes Motiv für Putin gewesen sein, die Halbinsel zu annektieren.

Die mehr als fünfzig erschienenen Besucher der Vortragsveranstaltung nahmen eine Reihe von Anregungen mit, sich mit der komplexen Geschichte der Ukraine mal etwas näher zu befassen.

Karl-Heinz Kocar