Singekreis "Glocke" reiste zum dritten Mal nach Nysa

Zwischen dem 13. und 16. Oktober 2016 waren die "Glöckner" und "Glöcknerinnen" mal wieder in Neisse zu Gast.

Der Partnerchor "Camerata Nysa" feiert im Oktober sein 10-jähriges Bestehen und hat die Sängerinnen und Sänger eingeladen.Bei einem öffentlichen Konzert treten die beiden Chöre neben solchen aus anderen Partnerstädten Nysas auf. Dadurch werden die ohnehin schon engen

Voller Vorfreude auf die bevorstehenden Tage in Nysa begab sich der Singekreis „Glocke“ am frühen Donnerstagmorgen des 13.10. auf die lange Reise, um den Besuch des befreundeten Chores "Camerata Nysa" von vor zwei Jahren in Lüdinghausen zu erwidern und zugleich das 10-jährige Bestehen des Partnerchores in Nysa gemeinsam zu feiern.

Mit großem „Hallo“ wurden die Lüdinghauser Gäste nach ihrer Ankunft empfangen und im zentral gelegenen Bildungshaus der Diözese Oppeln, einem ehemaligen Priesterseminar, untergebracht. Gestärkt durch polnische Spezialitäten fand ein erster geselliger Abend statt, an dem viel gesungen wurde und in herzlicher Atmosphäre viele Freundschaften vertieft bzw. neu geschlossen wurden. Ein extra für die deutschen Gäste zusammengestelltes Liederheft ermöglichte es der „Glocke“, auch die polnischen Lieder bzw. deren Refrain mitzusingen. Insbesondere die große Gastfreundschaft sowie die Herzlichkeit der Gastgeber wurden von allen als sehr angenehm empfunden.

Der Freitag sah einen Besuch der Stadt Breslau vor, wo eine Stadtführerin viele der geschichtlichen und baugeschichtlichen Besonderheiten dieser alten Stadt erläuterte, die bis zum Kriegsende 1945 eine deutsche Stadt war. In der Aula Leopoldina der 1702 unter Mithilfe des Paters Wolf von Lüdinghausen gegründeten Breslauer Universität bewunderte man die reiche barocke Ausschmückung.

Beim sich anschließenden Stadtrundgang standen das alte gotische Rathaus auf dem Rynek, die Garnisonskirche St. Elisabeth mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Denkmal davor und die liebevoll restaurierte Altstadt mit ihren wieder in vollem Glanz erstrahlenden Bürgerhaus-Fassaden im Mittelpunkt der Besichtigung. Immer wieder begegneten auf dem Rundweg einige der mittlerweile fast 400 aus Bronze gegossenen Motiv-Zwerge, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind. Die Grundidee dazu entstand in der antikommunistischen Protestbewegung der 1980er-Jahre (der „Orangenen Revolution").

Am nächsten Abend bildeten sich in Nysa mehrere kleine Gesprächsgruppen, und auch Streifzüge durch die abendliche Stadt wurden unternommen. Der spontane und daher ganz unerwartete Besuch der ehemaligen Bürgermeisterin Jolanta Barska wurde von allen als warmherzige und sympathische Geste der Verbundenheit empfunden.

Der Samstag stand dann für die "Glocke" vormittags mit einer intensiven Chorprobe ganz im Zeichen der Vorbereitung auf den Höhepunkt der Chorreise, den Auftritt im Kreis-Museum Neisse, im Rahmen der "5. Neisser Chor-Begegnung", bei der auch der gastgebende Chor „Camerata Nysa“ und ein weiteres junges Kammerchor-Ensemble aus Nysa mitwirkten.

Unter der Leitung von Dr. Hans Wolfgang Schneider präsentierte die „Glocke“ drei Songs aus Musicals: „Fascinating Rhythm“, „Ol' Man River“, „Tea For Two“, zusätzlich - passend zur Jahreszeit - das Herbstlied „Bunt sind schon die Wälder“ und zwei polnische Volkslieder im mehrstimmigen Satz von H. W. Schneider (Mazurken). Bei den beiden letzten Liedern gab es im Auditorium am Ende stehenden Applaus.

Nach dem Konzert wurden ein Umtrunk gereicht und die opulente Festtagstorte angeschnitten, zum 10-jährigen Jubiläum des „Camerata“-Chores. Ein Team des lokalen Fernsehsenders führte ein Interview mit Chorleiter Günther Sterz. Anschließend gab es einen offiziellen Empfang durch die Stadt Nysa im Diözesan-Bildungshaus, verbunden mit einem Festbankett. Es sprachen der stellvertretende Bürgermeister von Nysa, Piotr Bobak, der Vorsitzende des Kreistags im Kreis Nysa, Mirosław Aranowicz, die Vorsitzende des Chores „Camerata“, Maria Lange, die stellvertretende Lüdinghauser Bürgermeisterin Josephine Kleyboldt sowie der "Glocke"-Vorsitzende Günther Sterz, der seine Rede gar in polnischer Sprache hielt.

Die Redner verwiesen auf die über viele Jahre gewachsene intensive Freundschaft zwischen Nysa und Lüdinghausen, die mittlerweile auf vielen Ebenen stattfindenden Kontakte sowie die gelungene Überwindung der Vorurteile und der durch historische Belastungen bedingten Reserviertheit auf Seiten mancher polnischer Gesprächspartner. Anschließend überreichte Günther Sterz im Namen der „Glocke“ und der Stadt eine Collage, in der die Künstlerin Renate Grünewald Ansichten aus Lüdinghausen auf moderne Art interpretiert und in einem Bild zusammengefügt hat.

Der weitere Verlauf des Abends war gekennzeichnet durch einen regen Gedankenaustausch mit vielen persönlichen Akzenten in zwanglosem Miteinander. Die „Chemie“ stimmte eben zwischen den polnischen Gastgebern und ihren deutschen Gästen.

Vor der Abreise am Sonntag nahm die „Glocke“ an der Messe in der Basilika teil und erhielt den Reisesegen von Pfarrer Mikolaj Mróz, der zuvor auf die jetzt schon 35-jährige Beziehung zwischen den Gemeinden St. Ludger Lüdinghausen und St. Jacobus in Nysa hingewiesen hatte. Im Anschluss an den Gottesdienst sang die "Glocke" noch den Kanon „Da pacem Domine“ und das „Halleluja“ aus dem Musical „Hit the deck“.

Dann erfolgte die herzliche Verabschiedung, zu der neben den anderen Freunden auch Piotr Bobak noch einmal erschienen war. Josephine Kleyboldt: „Natürlich lebt eine Partnerschaft vor allem von der Vielfalt der Beziehungen, die durch gegenseitige Besuche gefestigt werden“. Und Günther Sterz ergänzte: „Möge die Freundschaft unserer beiden Chöre lange halten und dazu beitragen, die Zukunft unserer beiden Völker in Frieden und Achtung voreinander zu gestalten!“

Der Dank für die überaus großherzige Gastfreundschaft und die Hoffnung auf eine Vertiefung und Erweiterung der für beide Seiten so positiven Beziehung kennzeichnete den Abschied.

                                                                                          Angelika Franken und Karl-Heinz Kocar