Polnische Märchen und Mythen - im Rahmen der Lüdinghauser Märchenwochen

Die DPG lud - wie vor zwei Jahren - wieder ein zu einem Abend mit polnischen Märchen und Mythen.

Wie verzaubert wirkt der Seppenrader Rosengarten eigentlich erst im Sommer, wenn die Rosen blühen und beim traditionellen Lichterfest hier und da Märchenmotive in Szene gesetzt werden. Dennoch hatten die Besucher schon am letzten Samstag beim Betreten des Heimathauses den Eindruck,  in eine verzauberte Umgebung geraten zu sein: Bodenscheinwerfer hatten Bühne und Wände bereits in farbiges Licht getaucht und schufen genau die Atmosphäre, die für einen stimmungsvollen Märchenabend die richtige ist. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft (DPG) hatte eingeladen: „Polnische Märchen und Mythen“ standen auf dem Programm.

„Als klar war, dass wir an diesem Ort einen Abend gestalten würden, fiel mir gleich die alte germanische Sage vom Zwergen Laurin ein, der in seinem Tiroler Rosengarten durch Zaubergürtel und Zauberring auf magische Weise Macht ausübt und sagenhaft reich ist. Mit Hilfe einer Tarnkappe kann er sich jederzeit unsichtbar machen und Eindringlinge in seine Gewalt zwingen. Aber nachdem er sich in die schöne Kühnhilde verliebt und diese auf sein Berghöhlen-Schloss verschleppt hat, bekommt er es mit Dietrich von Bern zu tun, dem er sich am Ende auch fügen muss“, so der DPG-Vorsitzende Karl-Heinz Kocar in seiner Begrüßung.

Von einem Zwergen, der von großer Liebe zu der kleinen Szarotka erfüllt ist, handelte auch ein Märchen aus dem alten Breslau: Milostek heißt dort der kleine Mann, der sich von einem verständnisvollen Chirurgen ein zweites Herz einpflanzen lässt, weil er sonst diese Liebe zu Szarotka gar nicht in Gänze fassen könnte. Danach leben die beiden „glücklich in dem ausgehöhlten Stamm einer alten Eiche am Rande des Waldes“.

Auch die Legende von der oberbayrischen Grafentochter Hedwig von Andechs, die sich als gerade verwitwete Herzogin von Schlesien in das von ihr gestiftete Zisterzienser-Kloster Trebnitz nördlich von Breslau zurückzieht und zur eigenen Kasteiung fortan barfuß läuft, erzählte Karl-Heinz Kocar selbst. So auch die Geschichte von dem verschwenderischen König Popiel, der vor 1000 Jahren in Gnesen, der Hauptstadt der Piastendynastie, regierte und der am Ende von Mäusen gejagt und gefressen wird - sehr zur Freude der kleinen Leute, die solche Geschehnisse natürlich auch gerne weitererzählten.

Wie das Salz nach Polen kam, erläutert der Mythos vom Ring der ungarischen Prinzessin Kinga, die dem polnischen König Boleslaw in die damalige Hauptstadt Krakau folgt. Nach ihrer Ankunft konnte in dem benachbarten Ort Wieliczka, heute Weltkulturerbe der UNESCO,  Salz gewonnen werden. Mit der Zeit entstand eine unterirdische schimmernde Märchenlandschaft aus Kristallgrotten, smaragdgrünen Salzseen, Kapellen mit kunstvoll in Salz geschnitzten Reliefs und lebensgroßen Salzskulpturen. Der heiligen Kinga zu Ehren schlugen mehrere Generationen von Bergleuten um 1900 in 70 Jahren aus dem Salzstock eine riesige unterirdische Halle, in der heute Konzerte und Messen stattfinden.

Ottmachau heißt die Kleinstadt westlich von Neisse. Das dortige Schloss gehörte zeitweilig der Berliner Familie von Humboldt. „Vom Ottmachauer Schloss, einer unglücklichen Liebe und einem schönen Falken“ wusste Ina Niehaus eine Geschichte zu erzählen. Die während der Lüdinghauser Märchenwochen viel beschäftigte heimische Erzählerin vermochte es auch an diesem Abend wieder, durch Gestik und Stimmmodulation ihr Publikum zu packen und in die ganz eigene Welt der Märchen zu entführen, die durch poetische Bewältigung existenzieller Nöte und im „wunderbaren“ Triumph über Gefahr, Elend und Unterdrückung ihre innere „Wahrheit“ offenbaren.

Davon erzählten auch die anderen Märchen, die Ina Niehaus vortrug: „Der gedemütigte König“, „Wie das kluge Pferd dem Bauernsohn zum Königsthron verhalf“, „Wie der Schmied in den Himmel kam“ und „Drei Wünsche“.

Immer mal wieder griff die Seppenraderin Johanna Breimann, selbst gebürtige Polin, zu ihrem Saxofon und „reagierte“ so auf musikalische Weise auf die vorgetragenen Texte.

Später standen Publikum und Akteure noch lange zusammen und ließen bei Häppchen und Getränken das Gehörte noch einmal Revue passieren.