Dietmar Nietan MdB: Polen in Europa. Aktuelle politische Aspekte

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsch-Polnische Gesellschaft war zu Gast in Seppenrade. Auch Vizekonsul Przemysław Gembiak vom Generalkonsulat der Republik Polen in Köln hörte zu.

Dietmar Nietan, Bundesvorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft

Nur nicht schwarz-weiß sehen, statt dessen differenzieren. Dietmar Nietan macht es sich nicht leicht. Und er ermahnt auch seine Zuhörer, (keine) vorschnelle(n) Urteile über die aktuelle Situation in Polen zu fällen. "Ich warne vor einfachen Erklärungen", sagte der Bundestagsabgeordnete am Freitagabend in einem gut gefüllten Saal des Don-Bosco-Hauses in Seppenrade. Eingeladen hatte zu dem Informationsabend die Deutsch-Polnische Gesellschaft Lüdinghausen, die sich in Person ihres Vorsitzenden Karl-Heinz Kocar sehr darüber freute, dass mit Dietmar Nietan nicht nur der Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, sondern auch ein profunder Kenner des Nachbarlandes gekommen war.

Wer jetzt harsche Kritik an der derzeitigen PiS-Regierung erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Dietmar Nietan versuchte zu erklären, warum derzeit ein Kulturkampf in Polen tobt, warum Ideologen das Sagen haben. Er führte dies auch auf Vorgänger-Regierungen zurück, deren Politik zu einem großen Verdruss in der Bevölkerung geführt habe. Soziale Versprechen, wie die Einführung eines Kindergeldes (ab dem 2. Kind) sowie eine Politik, die die einheimische Wirtschaft stärkt, wertete Nietan durchaus als positive Aktivitäten der PiS-Regierung. Dennoch kritisierte er das politische Klima in Polen, wenn Kritiker der Regierung als "vaterlandslose Gesellen" verunglimpft werden.

Dies habe zwar in erster Linie innenpolitische Gründe, doch führe es dazu, dass selbst innerhalb von Familien nicht mehr über Politik diskutiert werde. "Die polnische Regierung ist getrieben von einer nationalistischen  Ideologie", so der Experte, der aber gleichzeitig betonte, dass die Demokratie in Polen derzeit (aber) auf keinen Fall abgeschafft werde. Er forderte, dass der Gesprächsfaden zwischen Deutschland und Polen auf keinen Fall abreißen solle - zumal ja auch auf deutscher Seite in der Vergangenheit bisweilen wenig Sensibilität gegenüber polnischen Interessen gezeigt wurde.

Wie sehr allerdings die Fronten in Polen verhärtet sind, durften auch die Gäste in Seppenrade selber erleben. So verteidigte ein Zuhörer verhement in mehreren Wortbeiträgen das Vorgehen der PiS-Regierung und scheute keine Diskussion mit dem Bundestagsabgeordneten. Trotz diesses sinnbildlichen Scharmützels blickte Dietmar Nietan in seinem abschließenden Fazit positiv nach vorne: "Ich bin optimistisch - die Polen sind freiheitsliebend."

 

Zwei Fragen an:  Dietmar Nietan, Bundesvorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft

Herr Nietan, wie wichtig sind gerade jetzt die die vielen Deutsch-Polnischen Gesellschaften - wie sie es auch in Lüdinghausen gibt?

Dietmar Nietan: Sie sind jetzt wichtiger denn je und spielen in der derzeitigen angespannten Situation eine entscheidende Rolle. Auf beiden Seiten gibt es in vielen Initiativen tolle Aktivitäten, die zur gegenseitigen Verständigung beitragen.

Und welche Rolle spielen hier die vielen persönlichen Begegnungen?

Dietmar Nietan: Gerade dieser persönliche Bezug ist ungemein wichtig. Die persönlichen Begegnungen zeigen doch, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und Polen nicht verrückt machen lassen und weiterhin Kontakte auf vielen Ebenen pflegen.