Polnische Gastschüler am Canisianum

10. – 17. Mai 2019

Sich als Europäer fühlen

Vierzehn polnische Schülerinnen und Schüler waren zwischen dem 10. und 17. Mai 2019 im Rahmen eines erneuten Austauschs des Gymnasiums Canisianum mit dem Neisser Liceum Carolinum in Lüdinghausen zu Gast.

Fotos © DPG Lüdinghausen

Bürgermeister Richard Borgmann begrüßte sie und ihre deutschen Gastgeber im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen. Er sprach über die „großen Probleme“ in Europa, die mittlerweile alltäglich geworden seien. Bei ihrem jüngsten Treffen in Rumänien hätten die Staats- und Regierungschefs Europas über diese Probleme wohl geredet, sie aber nicht lösen können.

„Heute in Lüdinghausen erleben wir etwas anderes. Ihr setzt die Partnerschaft fort, die im Jahr 1993 offizielle Vertreter von Lüdinghausen und Nysa besiegelt haben. Ihr redet nicht nur, sondern handelt auch.“  In anderthalb Wochen finde die Europawahl statt. Dies sei für die Schüler eine Selbstverständlichkeit, für die Älteren jedoch noch lange nicht. Er selbst sei im zweigeteilten Berlin zu Besuch gewesen und habe bei  einer Fahrt mit S-Bahn und U-Bahn noch erlebt, wie schwerbewaffnete Soldaten aufpassten, dass an den Stationen im Ostsektor der Stadt niemand ausstieg. „Das ist zum Glück für euch heute unvorstellbar.“

Bei einem Rückflug von Breslau aus habe er neben einer jungen Frau aus Nysa gesessen, die in Dortmund arbeitet. Jedes Wochenende sei sie zwischen Polen und Deutschland unterwegs.  „Auf die Frage, ob sie sich als Polin oder Deutsche fühle, gab sie mir eine wunderbare  Antwort“, so Borgmann.  Sie habe gesagt: „Ich fühle mich als Europäerin.“ Wenn wir alle uns als Europäer fühlten, so Borgmann weiter, hätten wir das erreicht, was sich unsere Väter und Mütter erträumt hätten.

Der polnische Carolinum-Deutschlehrer Mietek Jaroszczyk, der die Austausche schon seit über 20 Jahren begleitet, bedankte sich für die immer wieder erlebte Gastfreundschaft. „Wir haben in dieser Woche schon vieles erlebt und tolle Eindrücke gewonnen.“ In diesem Jahr wird Jaroszczyk von seiner Kollegin Jowita Sekarska-Slobodzian begleitet, die an der Neisser Partnerschule  ebenfalls Deutsch unterrichtet.  Auch der DPG-Vorsitzende Karl-Heinz Kocar, selbst Austausch-Organisator der ersten Jahre, sprach ein Grußwort, in beiden Sprachen.

Während ihres Aufenthalts haben die Schüler Ausflüge nach Köln, Bonn und Münster unternommen, eine Stadtrallye veranstaltet, waren in Bösensell klettern und haben eine gemeinsame Radtour gemacht. „Das ist immer eine tolle Zeit, sowohl für die Schüler als auch für uns Lehrer“, ergänzte die – neben Dr. Georg Schütz – den Austausch seit Jahren betreuende Cani-Lehrerin Sigrid Dorprigter.