Veranstaltungen 2016


Warschau - Die Auferstandene. Die polnische Hauptstadt heute

Warschau - Die Auferstandene. Die polnische Hauptstadt heute

Um einen aktuellen Eindruck zu bekommen, lief zunächst - mit Genehmigung des ZDF - der Film: "Warschau - Die Auferstandene" (2012). 

Ein junger, zu viel Geld gekommener Marketing-Manager war darunter, nachdenkliche Menschen der mittleren Generation, erfolgreiche Restaurant-Betreiber und die Helden einer äußerst virilen Nachtclub-Szene, aber auch ältere und alte Menschen, die unter bescheidenen Verhältnissen in vom Krieg nahezu unzerstört gebliebenen Altstadtwohnungen leben. Kurz: Profiteure und Zurückgelassene der ökonomisch-politischen Wende, die nunmehr seit 27 Jahren die polnische Metropole prägt. Der demnächst in einem futuristischen Wohnturm, von dem New Yorker Stararchitekt Daniel Libeskind geplant, wohnende Marketing-Mann wurde ebenso vorgestellt wie Akteure der jungen Start-up-Szene im Stadtteil Praga auf der anderen Weichselseite. 

mit einem Blick auf die Kämpfe des Warschauer Aufstands vom August 1944 ein, als SS und Wehrmachtssoldaten die Altstadt durch Brandschatzung im Häuserkampf, unterstützt durch gezielte Luftbombardements, in eine einzige  Trümmerwüste verwandelten, während die sowjetischen Soldaten von jenseits der Weichsel dem Untergang der "Heimatarmee" zusahen, um anschließend in der zerstörten Stadt "ihre" moskauhörige Staats- und Parteiführung positionieren zu können und so die Machtübernahme durch die nicht-kommunistischen Führer der Londoner Exil-Regierung zu verhindern. - Heute ist die Warschauer Altstadt das einzige UNESCO-Weltkulturerbe, das fast vollständig nachgebaut worden und nicht im Original erhalten ist.

wie die für westeuropäisches Rechtsstaatsempfinden und an unabhängige Berichterstattung in den Medien gewöhnte Menschen die bedenkliche populistisch-europaskeptische, nationalistische und klerikalistische Entwicklung in Polen einzuschätzen sei, die andererseits viele soziale Wohltaten, zum Beispiel Geld für kinderreiche Familien, gebracht habe und daher nach wie vor viel Zustimmung in breiten Teilen der Bevölkerung finde.  


Deutsch-polnische Kommunalpartnerschaftskonferenz in Berlin

Berlin/Lüdinghausen. Es war der erste öffentliche Auftritt von Frank-Walter Steinmeier nach seiner Nominierung zum gemeinsamen Bundespräsidentschaftskandidaten der Großen Koalition. Rund 500 Gäste begrüßte er am letzten Mittwoch im „Weltsaal“ des Auswärtigen Amtes am Werderschen Markt in Berlin: Viele polnischstämmige Deutsche und in Deutschland lebende polnische Staatsangehörige saßen da neben Vertretern der deutsch-polnischen Kommunalpartnerschaften. Sie waren persönlich eingeladen worden. Unter ihnen auch Karl-Heinz Kocar, der Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Lüdinghausen, die sich um die Ausgestaltung der Partnerschaft mit Nysa/Neisse kümmert.

Die Tatsache, dass dieses historische Datum genau 25 Jahre zurückliegt, bildete den Anlass für diese  „Deutsch-Polnische Kommunalpartnerschaftskonferenz“ im Außenministerium. Michael Roth, für Europa zuständiger Staatsminister im Auswärtigen Amt, Rolf Nikel, der deutsche Botschafter in Warschau, und Andrzej Przyłębski, polnischer Botschafter in Berlin, saßen ebenso auf dem Podium wie Cornelia Pieper und Michael Groß, die deutschen Generalkonsuln in Danzig bzw. Krakau. Alle Redebeiträge wurden simultan übersetzt. So konnte ihnen jeder Teilnehmer über Kopfhörer problemlos folgen.

Der Danziger Stadtpräsident Pawel Adamowicz und Christian Weber, Präsident der Bremischen Bürgerschaft, lobten in höchsten Tönen die Zusammenarbeit der beiden traditionsreichen Hanse- und Hafenstädte. Stärker durch das kulturelle Erbe verbunden sind seit den frühen 1970-er Jahren die Städte Nürnberg und Krakau, während Leipzig mit der alten polnischen Königsstadt auf mehreren Ebenen zusammenarbeitet, was zu Zeiten der DDR leichter möglich war.

Stephan Erb, als gebürtiger Lüdinghauser Chef des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW), gehörte  im ersten Workshop zu den Experten. Er freute sich über die vom Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages gerade beschlossene Erhöhung des DPJW-Budgets um 1 Mio. Euro jährlich. Als praktisches Problem für Kooperation wurde in Workshop 1 der Unterschied  zwischen der in Deutschland gängigen dualen Ausbildung und einer akademischen Berufsausbildung in Polen formuliert.

Schließlich investiere Polen auch sehr viel in die Förderung der muttersprachlichen Kompetenz unter der (als solche offiziell anerkannten) deutschen Minderheit. Schließlich habe es in 2015 rund 2,2 Mio. Menschen gegeben, die in polnischen Schulen Deutsch als Muttersprache lernen. Der Leiter des Augustum-Annen-Gymnasiums in Görlitz, Friedhelm Neumann, stellte die Struktur des bilingualen und binationalen Unterrichts an seiner Schule vor und unterstrich die bewährte Zusammenarbeit mit dem polnischen Zgorzelec auf der anderen Seite der Grenze. Am Ende stehe für viele Schülerinnen und Schüler ein zugleich in Polen und Deutschland anerkanntes Abitur.

Kontrovers ging es im dritten Workshop zu, als unter dem Eindruck steigender Flüchtlingszahlen über ein möglichst solidarisches Handeln in Europa geredet wurde.

Bevor Dietmar Woidke, Ministerpräsident von Brandenburg und „Koordinator für die deutsch-polnische grenznahe und zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit“, sowie zwei Staatssekretäre aus dem polnischen Innen- und Außenministerium das Wort ergriffen, erlebten die Anwesenden noch einen fulminanten Auftritt des aus Wuppertal stammenden Kabarettisten Steffen Möller, der aus genauer Beobachtung die Besonderheiten und Schwächen der Deutschen und Polen aufs Korn nahm, in deutscher und polnischer Sprache. In Polen ist Möller seit seiner Rolle als etwas dümmlicher deutscher Kartoffelbauer in der Soap Opera "M jak milosc" ("L wie Liebe") äußerst populär, vermutlich der bekannteste Deutsche überhaupt.

Auch er unterstrich zunächst die große  Bedeutsamkeit der Basisarbeit in den vielen deutsch-polnischen Kommunalpartnerschaften. Dann lobte Frank-Walter Steinmeier die für ganz Europa beispielhafte erste polnische Verfassung vom 3. Mai 1791, in der ganz bewusst  das Prinzip der Gewaltenteilung zwischen Regierung, Parlament und Justiz verankert worden sei. Damit übte der deutsche Diplomaten-Chef zugleich indirekt, aber unmissverständlich Kritik an der aktuellen polnischen Innenpolitik, die zu einer Schwächung des Verfassungsgerichts und zu einer Einschränkung der Meinungsvielfalt in den Medien geführt hat und die zuletzt in Brüssel und anderswo in Europa mahnende Stimmen auf den Plan gerufen hat.

Die Rede des designierten Gauck-Nachfolgers fand im Auditorium großen Beifall. Und allen schmeckte vermutlich auch das Buffet, das der Außenminister danach eröffnete, „zu Ehren der polnischstämmigen Bürgerinnen und Bürger sowie Polinnen und Polen in Deutschland“.

Text © Karl-Heinz Kocar

Fotos © K-H. Kocar
Das Motto der Veranstaltung
Das Motto der Veranstaltung
Aus dem Kreis Coesfeld dabei: Peter Steil (Partnerschaftskomitee Nottuln – Chodziez) und Karl-Heinz Kocar (DPG Lüdinghausen)
Aus dem Kreis Coesfeld dabei: Peter Steil (Partnerschaftskomitee Nottuln – Chodziez) und Karl-Heinz Kocar (DPG Lüdinghausen)
Teilnehmer am Workshop „Maßnahmen zur Förderung von Sprachkompetenz in Polen und Deutschland“
Teilnehmer am Workshop „Maßnahmen zur Förderung von Sprachkompetenz in Polen und Deutschland“
Der Danziger Stadtpräsident Paweł Adamowicz und Cornelia Pieper, die deutsche Generalkonsulin in Danzig
Der Danziger Stadtpräsident Paweł Adamowicz und Cornelia Pieper, die deutsche Generalkonsulin in Danzig
Am Rande der Konferenz führte Karl-Heinz Kocar Gespräche mit (von links): Stephan Erb (Geschäftsführer des Deutsch-Polnischen Jugendwerks), Dr. Niels von Redecker (Auswärtiges Amt, Persönlicher Referent von Ministerpräsident Dietmar Woidke, dem Koo
Am Rande der Konferenz führte Karl-Heinz Kocar Gespräche mit (von links): Stephan Erb (Geschäftsführer des Deutsch-Polnischen Jugendwerks), Dr. Niels von Redecker (Auswärtiges Amt, Persönlicher Referent von Ministerpräsident Dietmar Woidke, dem Koordinator für die deutsch-polnische Zusammenarbeit) sowie Botschaftsrätin Marzena Szczypulkowska-Horvath (Politische Abteilung der Polnischen Botschaft, Berlin)
Im Workshop „Sprachkompetenz“: Staatssekretär Thorsten Klute (NRW) und Liliana Barejko-Knops, Vorsitzende des Vereins der Polnischlehrer in Deutschland
Im Workshop „Sprachkompetenz“: Staatssekretär Thorsten Klute (NRW) und Liliana Barejko-Knops, Vorsitzende des Vereins der Polnischlehrer in Deutschland
Rolf Nikel, der deutsche Botschafter in Warschau
Rolf Nikel, der deutsche Botschafter in Warschau
Andrzej Przyłębski, polnischer Botschafter in Deutschland
Andrzej Przyłębski, polnischer Botschafter in Deutschland
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier

Singekreis "Glocke" reiste zum dritten Mal nach Nysa

Singekreis "Glocke" reiste zum dritten Mal nach Nysa

Zwischen dem 13. und 16. Oktober 2016 waren die "Glöckner" und "Glöcknerinnen" mal wieder in Neisse zu Gast. 

Voller Vorfreude auf die bevorstehenden Tage in Nysa begab sich der Singekreis „Glocke“ am frühen Donnerstagmorgen des 13.10. auf die lange Reise, um den Besuch des befreundeten Chores "Camerata Nysa" von vor zwei Jahren in Lüdinghausen zu erwidern und zugleich das 10-jährige Bestehen des Partnerchores in Nysa gemeinsam zu feiern.

Mit großem „Hallo“ wurden die Lüdinghauser Gäste nach ihrer Ankunft empfangen und im zentral gelegenen Bildungshaus der Diözese Oppeln, einem ehemaligen Priesterseminar, untergebracht. Gestärkt durch polnische Spezialitäten fand ein erster geselliger Abend statt, an dem viel gesungen wurde und in herzlicher Atmosphäre viele Freundschaften vertieft bzw. neu geschlossen wurden.

Ein extra für die deutschen Gäste zusammengestelltes Liederheft ermöglichte es der „Glocke“, auch die polnischen Lieder bzw. deren Refrain mitzusingen. Insbesondere die große Gastfreundschaft sowie die Herzlichkeit der Gastgeber wurden von allen als sehr angenehm empfunden.

Der Freitag sah einen Besuch der Stadt Breslau vor, wo eine Stadtführerin viele die geschichtliche  und baugeschichtliche Besonderheiten dieser alten Stadt erläuterte, die bis zum Kriegsende 1945 eine deutsche Stadt gewesen ist. In der Aula Leopoldina der 1702 unter Mithilfe des Paters Wolf von Lüdinghausen gegründeten Breslauer Universität bewunderte man die die reiche barocke Ausschmückung.

Beim sich anschließenden Stadtrundgang standen das alte gotische Rathaus auf dem Rynek, die Garnisonskirche St. Elisabeth mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Denkmal davor und die liebevoll restaurierte Altstadt mit ihren wieder in vollem Glanz enstrahlenden Bürgerhaus-Fassaden im Mittelpunkt der Besichtigung. Immer wieder begegneten auf dem Rundweg einige der mittlerweile fast 400 aus Bronze gegossenen Motiv-Zwerge, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind und aus der antikommunistische Protestbewegung der 1980er-Jahre (der „Orangenen Revolution") hervorgegangen sind.

Am Abend bildeten sich in Nysa mehrere kleine Gesprächsgruppen, und auch Streifzüge durch die abendliche Stadt wurden unternommen. Der spontane und daher ganz unerwartete Besuch der ehemaligen Bürgermeisterin Jolanta Barska wurde von allen als warmherzige und sympathische Geste der Verbundenheit empfunden.

Der Samstag stand dann für die "Glocke" vormittags mit einer intensiven Chorprobe ganz im Zeichen der Vorbereitung auf den Höhepunkt der Chorreise, den Auftritt im Kreis-Museum Neisse, im Rahmen der "5. Neisser Chor-Begegnung", bei der auch der gastgebende Chor „Camerata Nysa“ und ein weiteres junges Kammerchor-Ensemble aus Nysa mitwirkten.

Unter der Leitung von Dr. Hans Wolfgang Schneider präsentierte die „Glocke“ drei Songs aus Musicals: „Fascinating Rhythm“, „Ol' Man River“, „Tea For Two“, zusätzlich - passend zur Jahreszeit - das Herbstlied „Bunt sind schon die Wälder“ und zwei polnische Volkslieder im mehrstimmigen Satz von H. W. Schneider (Mazurken). Bei den beiden letzten Liedern gab es im Auditorium am Ende stehenden Applaus.

Nach dem Konzert wurden ein Umtrunk gereicht und die opulente Festtagstorte angeschnitten, zum 10-jährigen Jubiläum des „Camerata“-Chores. Ein Team des lokalen Fernsehsenders führte ein Interview mit Chorleiter Günther Sterz. Anschließend gab es einen offiziellen Empfang durch die Stadt Nysa im Diözesan-Bildungshaus, verbunden mit einem Festbankett. Es sprachen der stellvertretende Bürgermeister von Nysa, Piotr Bobak, der Vorsitzende des Kreistags im Kreis Nysa, Mirosław Aranowicz, die Vorsitzende des Chores „Camerata“, Maria Lange, die stellvertretende Lüdinghauser Bürgermeisterin Josephine Kleyboldt sowie der "Glocke"-Vorsitzende Günther Sterz, der seine Rede gar in polnischer Sprache hielt.

Die Redner verwiesen auf die über viele Jahre gewachsene intensive Freundschaft zwischen Nysa und Lüdinghausen, die mittlerweile auf vielen Ebenen stattfindenden Kontakte sowie die gelungene Überwindung der Vorurteile und der durch historische Belastungen bedingten Reserviertheit. Anschließend überreichte Günther Sterz im Namen der „Glocke“ und der Stadt eine Collage, in der die Künstlerin Renate Grünewald Ansichten aus Lüdinghausen auf moderne Art interpretiert und in einem Bild zusammengefügt hat.

Der weitere Verlauf des Abends war gekennzeichnet durch einen regen Gedankenaustausch mit vielen persönlichen Akzenten in zwanglosem Miteinander. Die „Chemie“ stimmte eben zwischen den polnischen Gastgebern und ihren deutschen Gästen.

Vor der Abreise am Sonntag nahm die „Glocke“ an der Messe in der Basilika teil und erhielt den Reisesegen von Pfarrer Mikołaj Mróz, der zuvor auf die jetzt schon 35-jährige Beziehung zwischen den Gemeinden St. Ludger Lüdinghausen und St. Jacobus in Nysa hingewiesen hatte. Im Anschluss an den Gottesdienst sang die "Glocke" noch den Kanon „Da pacem Domine“ und das „Halleluja“ aus dem Musical „Hit the deck“.

Dann erfolgte die herzliche Verabschiedung, zu der neben den anderen Freunden auch Piotr Bobak noch einmal erschienen war. Josephine Kleyboldt: „Natürlich lebt eine Partnerschaft vor allem von der Vielfalt der Beziehungen, die durch gegenseitige Besuche gefestigt werden“. Und Günther Sterz ergänzte: „Möge die Freundschaft unserer beiden Chöre lange halten und dazu beitragen, die Zukunft unserer beiden Völker in Frieden und Achtung voreinander zu gestalten“.

Text © Angelika Franken und Karl-Heinz Kocar

Fotos © K-H Kocar

Lesung von André Biakowski in der Stadtbücherei

Fotos: © K.H.Kocar

 

"Sich mit den Erfahrungen der Menschen beschäftigen, deren Zahl immer weniger wird", so stellte Karl-Heinz Kocar das Thema der abendlichen Autorenlesung vor. Die 25 erschienenen Zuhörer saßen im Halbkreis in der Stadtbücherei St. Felizitas und wurden von André Biakowski, der aus dem süddeutschen Reutlingen angereist war, auf eine bewegende Reise in die Erfahrungswelt überlebender polnischer NS-Opfer mitgenommen. Er las aus seinem Buch "Obiad - mehr als nur Mittagessen".

Es war 2010, als sich der junge Deutsche auf ein Abenteuer einließ: Ein Jahr wollte er als freiwilliger Helfer im polnischen Lodz sein und dort alten Menschen ihr Mittagessen bringen. "Das kann doch nicht so schwer sein!", habe er damals gedacht. So sei er kurzerhand losgezogen, ohne die polnische Sprache zu beherrschen oder etwas über sein Nachbarland zu wissen.

Doch es kam alles anders als gedacht. Ein gewöhnlicher Bote für das Mittagessen war er jedenfalls nicht: Er nahm sich Zeit für die Menschen, half ihnen beim Essen und Waschen oder hielt einfach ihre Hand und hörte ihnen zu. Es waren die Geschichten von Überlebenden des Holocaust, Die alten Menschen waren bereit, sie dem fremden Deutschen ohne jeglichen Hass oder gar persönliche Vorwürfe zu erzählen. Wenn dann ein Mann nach seiner Erzählung erschöpft, auf seinen Arm gestützt, einschlief und Biakowski unter dem Ärmel seines Hemdes die eintätowierte Nummer entdeckte, die im KZ sein Todesurteil bedeutete, überkamen ihn Schuldgefühle und Demut. "Wie verhält man sich in solch einer Situation, wie sieht hier Professionalität aus?", fragte er sich dann.

Trotz großer Schwierigkeiten schaffte Biakowski es, die polnische Sprache ein bisschen zu erlernen. Die Leute sollten ihm "ihre" persönliche Geschichte "nicht in der Sprache ihrer Peiniger, sondern in ihrer eigenen" erzählen.

Der Autor schaffte es mit seiner Lesung, seine Zuhörer mit auf eine Reise zu nehmen, die ihnen sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird. Die Lesung wurde aufgelockert durch Flöten-Intermezzi von Dr. Hans Wolfgang Schneider. Polnische Volkslieder waren darunter, aber auch Stücke, die in Melodik und Rhythmik Züge der jüdischen Klezmer-Musik tragen.

Lisette Müllenhoff (WN) / Karl-Heinz Kocar

 

 


Sommerliches Grillfest von Deutsch-Polnischer und Deutsch-Französischer Gesellschaft

Fotos:© DPG Lüdinghausen

Das traditionelle Grillfest von DPG und DFG fand am Samstag, 20. August, ab 17 Uhr  im Pfarrgarten von St. Felizitas statt. Die Temperaturen blieben angenehm, sodass die rund 35 erschienenen Gäste nach Genuss der Leckereien vom Grill und köstlich schmeckenden Salaten noch bis in die späten Abendstunden bei polnischem Bier, italienischem Rotwein und anderen Getränken in der "Laube" sitzen bleiben und miteinander klönen konnten.     

Karl-Heinz Kocar erinnerte aber auch an die in den nächsten beiden Jahren anstehenden Jubiläen, deren Feier es bald vorzubereiten gelte: Die Partnerschaft mit Taverny wird im Herbst 2017 nämlich schon 30 Jahre alt, die Verbindung mit Neisse blickt im Frühjahr 2018 auf 25 Jahre zurück. Außerdem wollen sich die Deutsch-Polnische wie auch die Deutsch-Französische Gesellschaft im Februar 2017 gemeinsam über 20 Jahre ihres Bestehens freuen und wieder gemeinsam feiern.


Stadtfest-Lauf in Nysa mit Lüdinghauser Beteiligung

Fotos: DPG - Lüdinghausen


Kinder-Fußball-Turnier in Nysa

Fotos: DPG Lüdinghausen


4-Nationen-Volleyballturnier in LH

 
 
 

Fotos: DPG-Lüdinghausen



Schülerbegegnung Gymnasium Canisianum und Liceum O. Carolinum in Nysa

Fotos: DPG Lüdinghausen


Polnische Märchen und Mythen - im Rahmen der Lüdinghauser Märchenwochen

Polnische Märchen und Mythen - im Rahmen der Lüdinghauser Märchenwochen
Polnische Märchen und Mythen
Polnische Märchen und Mythen - im Rahmen der Lüdinghauser Märchenwochen

© DPG Lüdinghausen

Wie verzaubert wirkt der Seppenrader Rosengarten eigentlich erst im Sommer, wenn die Rosen blühen und beim traditionellen Lichterfest hier und da Märchenmotive in Szene gesetzt werden. Dennoch hatten die Besucher schon am letzten Samstag beim Betreten des Heimathauses den Eindruck,  in eine verzauberte Umgebung geraten zu sein: Bodenscheinwerfer hatten Bühne und Wände bereits in farbiges Licht getaucht und schufen genau die Atmosphäre, die für einen stimmungsvollen Märchenabend die richtige ist. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft (DPG) hatte eingeladen: „Polnische Märchen und Mythen“ standen auf dem Programm. 

„Als klar war, dass wir an diesem Ort einen Abend gestalten würden, fiel mir gleich die alte germanische Sage vom Zwergen Laurin ein, der in seinem Tiroler Rosengarten durch Zaubergürtel und Zauberring auf magische Weise Macht ausübt und sagenhaft reich ist. Mit Hilfe einer Tarnkappe kann er sich jederzeit unsichtbar machen und Eindringlinge in seine Gewalt zwingen. Aber nachdem er sich in die schöne Kühnhilde verliebt und diese auf sein Berghöhlen-Schloss verschleppt hat, bekommt er es mit Dietrich von Bern zu tun, dem er sich am Ende auch fügen muss“, so der DPG-Vorsitzende Karl-Heinz Kocar in seiner Begrüßung. 

handelte auch ein Märchen aus dem alten Breslau: Milostek heißt dort der kleine Mann, der sich von einem verständnisvollen Chirurgen ein zweites Herz einpflanzen lässt, weil er sonst diese Liebe zu Szarotka gar nicht in Gänze fassen könnte. Danach leben die beiden „glücklich in dem ausgehöhlten Stamm einer alten Eiche am Rande des Waldes“. 

 die sich als gerade verwitwete Herzogin von Schlesien in das von ihr gestiftete Zisterzienser-Kloster Trebnitz nördlich von Breslau zurückzieht und zur eigenen Kasteiung fortan barfuß läuft, erzählte Karl-Heinz Kocar selbst. So auch die Geschichte von dem verschwenderischen König Popiel, der vor 1000 Jahren in Gnesen, der Hauptstadt der Piastendynastie, regierte und der am Ende von Mäusen gejagt und gefressen wird - sehr zur Freude der kleinen Leute, die solche Geschehnisse natürlich auch gerne weitererzählten. 

Wie das Salz nach Polen kam, erläutert der Mythos vom Ring der ungarischen Prinzessin Kinga, die dem polnischen König Boleslaw in die damalige Hauptstadt Krakau folgt. Nach ihrer Ankunft konnte in dem benachbarten Ort Wieliczka, heute Weltkulturerbe der UNESCO,  Salz gewonnen werden. Mit der Zeit entstand eine unterirdische schimmernde Märchenlandschaft aus Kristallgrotten, smaragdgrünen Salzseen, Kapellen mit kunstvoll in Salz geschnitzten Reliefs und lebensgroßen Salzskulpturen. Der heiligen Kinga zu Ehren schlugen mehrere Generationen von Bergleuten um 1900 in 70 Jahren aus dem Salzstock eine riesige unterirdische Halle, in der heute Konzerte und Messen stattfinden. 

 Ottmachau heißt die Kleinstadt westlich von Neisse. Das dortige Schloss gehörte zeitweilig der Berliner Familie von Humboldt. „Vom Ottmachauer Schloss, einer unglücklichen Liebe und einem schönen Falken“ wusste Ina Niehaus eine Geschichte zu erzählen. Die während der Lüdinghauser Märchenwochen viel beschäftigte heimische Erzählerin vermochte es auch an diesem Abend wieder, durch Gestik und Stimmmodulation ihr Publikum zu packen und in die ganz eigene Welt der Märchen zu entführen, die durch poetische Bewältigung existenzieller Nöte und im „wunderbaren“ Triumph über Gefahr, Elend und Unterdrückung ihre innere „Wahrheit“ offenbaren.

Davon erzählten auch die anderen Märchen, die Ina Niehaus vortrug: „Der gedemütigte König“, „Wie das kluge Pferd dem Bauernsohn zum Königsthron verhalf“, „Wie der Schmied in den Himmel kam“ und „Drei Wünsche“.

Immer mal wieder griff die Seppenraderin Johanna Breimann, selbst gebürtige Polin, zu ihrem Saxofon und „reagierte“ so auf musikalische Weise auf die vorgetragenen Texte.

Später standen Publikum und Akteure noch lange zusammen und ließen bei Häppchen und Getränken das Gehörte noch einmal Revue passieren.  


Mitgliederversammlung

Auch ein Ausblick auf 2017 und 2018 fehlte nicht, als sich jetzt  Mitglieder der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Lüdinghausen im Hotel Zur Post zahlreich versammelten: Dann gelte es nämlich 20 Jahre DPG (und DFG) bzw. 25 Jahre Städtepartnerschaft mit Nysa/Neisse zu feiern. Ideen dazu sind willkommen.

Die Wahlen gingen glatt über die Bühne. Der gesamte Vorstand wurde erneut bestätigt: Der Vorsitz bleibt bei Karl-Heinz Kocar, seine Stellvertreterin ist Anita Lisowska. Auch Schriftführerin Josephine Kleyboldt und Schatzmeister Joachim Witt sowie Ursula Hölper behalten ihre Ämter. Den fünfköpfigen Vorstand ergänzen als Beisitzer auch in Zukunft Bruno Bierschenk, Josef Holtermann (in Abwesenheit gewählt) und Günther Grothe. Kassenbericht und Bericht der Kassenprüfer wurden anstandslos akzeptiert.  

In einem Rückblick auf das Jahr 2015 berichteten die Vorstandsmitglieder unter anderem über eine von Achim Witt organisierte einwöchige Reise nach Masuren und Litauen, über Begegnungen von Sportlern (Fußballkinder, Volleyball-Juniorinnen, Ausdauer-Athleten) aus Lüdinghausen und Nysa/Neisse, über eine Reise in traditionsreiche schlesische Wallfahrtsorte von Neisse aus, die Ursula Hölper vorbereitet hat, über den Besuch der Aufführung „Die Franzosen“ im Rahmen der  Ruhrtriennale, über eine Autorenlesung aus einem Roman über polnische Soldaten im Emsland nach Ende des 2. Weltkriegs (organisiert von der DPG Senden), über einen Literarischen Abend mit Satiren von Slawomir Mrozek sowie ein Konzert des Berliner „Klaviertrio K“ mit Werken polnischer Komponisten. Daneben gab es eine Reihe geselliger und informativer Veranstaltungen (Bigos-Essen, Grillfest, Stadtfest-Stand), die das vielfältige Programm abrundeten. In 2015 sind auch die Kontakte zu den DPGs in Senden und Nottuln weiter gefestigt worden.

In der kommenden Woche gestalten DPG-Mitglieder im Rahmen der 17. Lüdinghauser Märchenwochen auch wieder einen eigenen Abend: „Polnische Märchen und Mythen“ stehen auf dem Programm am Samstag, 12.03. um 20 Uhr im Seppenrader Heimathaus. Zu weiteren Vorhaben in 2016 zählen eine einwöchige Reise nach Stettin und an die westpommersche Ostseeküste Anfang Mai, eine Landwirte-Exkursion in die Partnerstädte von Senden und Nottuln (Koronowo bzw. Chodziez) Mitte Mai, ein Fußballturnier mit Kids aus Seppenrade in der Partnerstadt Ende Mai sowie die Teilnahme von Athleten aus Lüdinghausen am Nysa-Stadtlauf Mitte Juni.

Im Oktober sind die Mitglieder Singekreises „Glocke“ in Neisse wieder einmal Gäste ihres Partnerchores „Camerata Nysa“. Am 11. November redet Dietmar Nietan MdB, Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften, in Lüdinghausen über die problematischen politischen Verhältnisse in Polen. André Biakowski liest im Herbst aus seinem Buch „Obiad“, und in Zusammenarbeit mit dem Polnischen Institut Düsseldorf zeigt die DPG hier einen aktuellen polnischen Spielfilm. Weitere Veranstaltungen sind geplant.

© DPG Lüdinghausen


DPG Lüdinghausen verköstigt die Gäste

Bigos in 9. Variationen

© DPG Lüdinghausen

Bigos, die leckere polnische Spezialität, wurde auch am Freitag, 12. Februar 2016 mal wieder auf die Tische im Pfarrsaal von St. Ludger gebracht, in 9 Variationen!

Viele Mitglieder und "Sympathisanten" der DPG Lüdinghausen waren gekommen, darunter erstmals auch der städtische Beigeordnete Matthias Kortendieck. Sängerinnen und Sänger der "Glocke" (die im Oktober wieder in Neisse zu Gast sein werden) sowie einige Gäste mit polnischer Muttersprache waren beim gemeinsamen Singen deutscher und polnischer Lieder besonders aktiv. Auch viele Freunde aus der Deutsch-Französischen Gesellschaft machten erneut mit.

Ein sehr stimmungsvoller Abend mit rund 65 Teilnehmern, bei dem auch ein Gläschen Wodka nicht fehlen durfte.