Veranstaltungen 2018

20. Reise der DPG führt nach Krakau und Heiligkreuz

Fotos und Text © A. Witt

 

Zum zwanzigsten Mal bot die Deutsch-Polnische Gesellschaft Lüdinghausen eine Reise in das Nachbarland Polen an. Vom 19. bis 26. April waren 34 Reisende aus Lüdinghausen und Umgebung in Begleitung einer sehr versierten Reiseleiterin in Krakau und in der Wojewodschaft Heilig Kreuz unterwegs.

Bei den vorherigen Fahrten waren bereits 15 der 16 Wojewodschaften (vergleichbar unseren Bundesländern) besucht worden, so dass zwangsläufig der Gedanke gefasst wurde, diesmal diese Region kennen zu lernen. Diese Region liegt an der Weichsel, dem längsten Fluss Polens, etwa auf halber Strecke zwischen Warschau und Krakau. Der Name leitet sich von dem alten Wallfahrtskloster Heilig Kreuz ab, das wiederum auch dem dortigen Mittelgebirge den Namen gab. Der Besuch des Klosters, in dem Splitter des Kreuzes Christi als Reliquie verehrt werden und das auf einem 600 Meter hohen Berg liegt, war an einem Tag, an dem auch die Regionalhauptstadt Kielce mit seinem Nationalmuseum besichtigt wurde, Ziel der Gruppe.

An den anderen Tagen wurden die alte Herzogs- und Bischofsstadt Sandomierz mit ihrer bedeutenden Kathedrale besucht, eine Schiffstour auf der Weichsel gemacht und verschiedene Kirchen, Burgen , Schlösser und Ruinen besichtigt. Eindrucksvoll war auch der Besuch der Feuersteinmine Krzemionki, in der bereits 3000 v. Chr. durch Bergbau der gestreifte Feuerstein für Waffen und Werkzeug abgebaut wurde.

An den ersten drei Tagen stand die alte Königsstadt Krakau auf dem Programm. Der erste Tag war der Altstadt mit der Burg und Kathedrale auf dem Wawel, dem Collegium Maius der Jagiellonen-Universität, dem großen Marktplatz, der Tuchhalle und der Marienkirche mit dem großen Schnitzaltar des Nürnberger Bildhauers Veit Stoß gewidmet.

Am zweiten Aufenthaltstag wurde Oskar Schindlers Fabrik besichtigt, in der vielen Juden des Lagers Plaszów durch Beschäftigung damals das Leben gerettet worden war und die inzwischen zu einem Museum gestaltet wurde, das eindrucksvoll und bedrückend die Jahre der deutschen Okkupation Krakaus zeigt. Weiter wurden das historische jüdische Viertel Kazimierz mit Friedhof und Synagoge sowie die alte Synagoge - jetzt Museum - besucht. Das Abendessen wurde ebenfalls in diesem Quartier, verbunden mit einem Klezmerkonzert, eingenommen.

Am nächsten Tag wurde Krakaus Vorstadt Nowa Huta besichtigt, nach dem 2. Weltkrieg als Muster einer sozialistischen Arbeiterstadt aus dem Boden gestampft, mit einem großen Hüttenwerk im Zentrum - das Ganze als Gegenstück zur "bürgerlichen" Kulturmetrople Krakau. Der damaligen politischen Ideologie folgend, war dort auf einen Kirchenneubau bewusst verzichtet worden. Auf Druck der katholischen Bevölkerung erstand schließlich aber doch die Kirche "Arche Noah", die durch ihre moderne Ausstattung und Architektur beeindruckt.

Neben den Besichtigungen vermittelte die Reiseleiterin, die die Gruppe während der gesamten Reise engagiert begleitete, durch ihre Informationen zu Land und Leuten, Kultur, gesellschaftlichem Leben, Geschichte  des Landes und politischen Situationen ein gutes Bild über das Nachbarland Polen.

 

 

 

Partnerschaften mit polnischen Städten - Regionaler Austausch Teil 4 in Nottuln

Partnerschaften mit polnischen Städten - Regionaler Austausch Teil 4 in Nottuln
FOTO © dpg Lüdinghausen

"Städtepartnerschaften sind Stabilitätsfaktoren" - so das Fazit einer neuerlichen Regionalkonferenz Deutsch-Polnischer Gesellschaften, diesmal in Nottuln.

 

 „Die aktuellen Entwicklungen in Europa, auch die politischen Beziehungen zwischen Polen und Deutschland, betrachten wir mit Sorge. Umso bedeutender sind da unsere deutsch-polnischen Städtepartnerschaften, die ein wichtiger Stabilitätsfaktor sein können. Unsere Aufgabe ist es, die Europa-Idee weiterzuentwickeln, Vertrauen zwischen den Völkern zu bilden – eine Grundlage für gegenseitige Toleranz und für Freundschaft.“ Josef Lütkecosmann, Mitglied des Komitees für Städepartnerschaft Nottuln, fasste am Ende einer intensiven Runde zusammen, was viele dachten. Gleich fünf Partnerschaftskomitees hatten sich am Samstagnachmittag im Katholischen Pfarrheim in Nottuln getroffen, um sich auszutauschen und Anregungen für eine erfolgreiche Partnerschaftsarbeit weiterzugeben. Seit vier Jahren finden diese Austauschrunden statt. Diesmal lud das Komitee Nottuln in die Baumberge-Gemeinde ein. Die deutsch-polnischen Gesellschaften aus Senden (Partnerstadt Koronowo) und Lüdinghausen (Nysa) und der Förderverein der Partnerschaft zwischen Münster und Lublin waren der Einladung gefolgt. Zum ersten Mal dabei waren die „Freunde der Städtepartnerschaft Telgte“. Seit über zwanzig Jahren unterhält die Stadt Telgte eine partnerschaftliche Verbindung mit der polnischen Stadt Polanica. Da alle fünf Kommunen nun schon viele Jahre auf die Partnerschaften mit den jeweiligen polnischen Städten zurückblicken können, waren die Konzepte und Organisationen der Jubiläen ein Schwerpunkt des Austausches. Deutlichwurde, dass es vielfältige Möglichkeiten gibt, für diese Jubiläen finanzielle Zuschüsse beim Land NRW und bei der EU zu beantragen. Verbunden ist die Gewährung dieser Zuschüsse immer mit inhaltlichen Vorgaben für die partnerschaftlichen Treffen. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigten, so die Runde, dass dies den Austausch bereichert. So berichteten die Komitees sehr positiv von ihren Erfahrungen, z.B. von Workshops und Diskussionsforen zu den Themen Europa und Zukunft. Menschen aus Polen und Deutschland kämen so ins Gespräch und diskutierten über Politik. Marga Lütkecosmann: „Dabei ist es wichtig, die Gespräche über Politik auf Augenhöhe zu führen, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger.“ Letztlich ginge es auch darum, „in die Seele des anderen zu gucken, bereit zu sein, die Menschen aus dem Nachbarland zu verstehen“, so Hans-Jürgen Pohl, Sprecher der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Senden. Besonderen Schwerpunkt legen alle Komitees auf den Jugendaustausch. Projektarbeit sei hier das Zauberwort. Manfred Sellmayer aus Münster: „Im gemeinsamen Tun, bei künstlerischen oder sportlichen Aktivitäten, kommen sich die jungen Leute näher.“ Ausführlich stellte Karl-Heinz Kocar von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Lüdinghausen das Programm für das 25jährige Jubiläum der Partnerschaft zwischen Lüdinghausen und Nice vor. Dies findet im Herbst 2018 statt - eine willkommene Gelegenheit für die Teilnehmer der Austauschrunde, sich wiederzusehen. 2019 findet der Austausch in Münster statt.

Siehe auch:  www.chodziez.de

Jazz auf Burg Vischering: Adam Bałdych & Helge Lien Trio: "Brothers"

Fotos © Ela Bieronski für DPG Lüdinghausen

 

Einen außergewöhnlich intensiven Jazz-Abend erlebten die 200 Zuhörer, die bei frühsommerlichen Temperaturen in den Konzertsaal der Burg Vischering geströmt waren. Auf Einladung der Kulturabteilung des Kreises Coesfeld und der DPG Lüdinghausen spielten dort jetzt der gefeierte polnische Jazz-Geiger Adam Baldych und das norwegische Helge-Lien-Trio auf, alle vier Stars der europäischen Jazz-Szene.

Begeistert schrieb Ira Middendorf, Kritikerin der Westfälischen Nachrichten, nachher: "Das Helge-Lien-Trio zieht den Spannungsbogen von reinem Klang einzelner Geräusche, dem Klopfen und Klappern, dem Bimmeln und Ticken bis weit hin zu kraftvollen, orchestralen Passagen - in diesen Momenten scheint die Bühne fast zu bersten vor lauter Musik." Und weiter heißt es bei ihr: "Adam Baldych fügt allerdings mit seinem Geigenspiel noch eine weitere Nuance hinzu - und die zielt mitten in den Bauch. mal leise, mal gezupft, dann gibt sie den Ton an, dann bereitet sie einen Boden für die anderen und dann explodiert sie fast vor lauter Musik - es ist fantastisch mitzuerleben, was Adam Baldych an diesem Abend mit seinem Instrument veranstaltet."

 

 

Mitgliederversammlung im Hotel Zur Post

Nach dem Rechenschaftsbericht wurden die Mitglieder des Vorstandes entlastet und sämtlich für 2 Jahre wiedergewählt.

Intensiv wurde in der Versammlung über die Veranstaltungen in 2017 gesprochen: etwa die gemeinsame Feier des 20-jährigen Bestehens von Deutsch-Polnischer und Deutsch-Französischer Gesellschaft im See-Restaurant, zu der auch Gäste aus beiden Partnerstädten angereist waren, unter ihnen Jolanta Barska, zwischen 2006 und 2014 Bürgermeisterin von Nysa. Auch die "Früchte" der einwöchigen Reise nach Lodz, wieder vorbereitet von Achim Witt, und der 5-tägigen Wallfahrt von Nysa aus zu alten schlesischen Heiligtümern, vorbereitet von Ursula Hölper, wurden ausführlich gewürdigt.

Zu den Höhepunkten des letzten Jahres gehörte die große Feier aus Anlass der 30-jährigen Städtepartnerschaft Lüdinghausen - Taverny (F), bei der die Bürgermeister aus Nysa und Lüdinghausen sowie Florence Portelli, die Amtskollegin aus Taverny, assistiert von den Vorsitzenden der Deutsch-Französischen und Deutsch-Polnischen Gesellschaft LH, zur Schaufel griffen und im Parc de Taverny einen Gingko-Baum pflanzten. Zum gleichzeitg stattfindenden Stadtfest angereist waren auch wieder aktive Läufer aus Nysa, die am Vortag am Stadtlauf teilgenommen hatten.

Erwähnt wurden außerdem eine 13-tägige Rad-Tour von drei Lüdinghausern nach Nysa, die Teilnahme von Aktiven des Lauftreffs LH am Stadtlauf in Nysa, die wiederholte Teilnahme von Volleyballmädchen des SC Union an einem Turnier in Nysa sowie eine weitere Begegnung von Jugendlichen der Partnerschulen Canisianum (LH) und Liceum Carolinum in Lüdinghausen.

Ein Vortrag des DPG-Bundesvorsitzenden Dietmar Nietan zum Thema "Polen in Europa" setzte einen aktuellen politischen Akzent, ähnlich wie ein gemeinsam mit der DPG Senden organisierter Vortrag des Gießener Privatdozenten Dr. Markus Krzoska. Und bei einem Treffen von Aktivisten der DPGs aus Senden, Nottuln und Lüdinghausen in Seppenrade hatte man Ende März eine Intensivierung der Zusammenarbeit verabredet.

Im weiteren Verlauf er Mitgliederversammlung ging es um die Vorstellung des Programms für 2018: Auf ein Konzert mit dem polnischen Jazz-Geiger Adam Baldych und dem Helge-Lien-Trio auf Burg Vischering kann man sich am 19.04. freuen. Ebenfalls im April bricht erneut eine große Reisegruppe aus LH zu einer einwöchigen Polen-Reise auf, diesmal geht es nach Krakau und in die Woiwodschaft Heiligkreuz. An den jeweiligen Läufen in den Partnerstädten werden dann im Juni bzw. September wechselseitig wieder Aktive aus Nysa und LH teilnehmen. 

Den Höhepunkt des Jahres wird allerdings die große Feier des 25-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen Lüdinghausen un Nysa bilden. Sie beginnt am 28.09. mit einem klassischen Konzert der Musica Camerata Westfalica in der Aula des Canisianums, bei dem auch Musiker aus Nysa und Taverny mitmachen. Der Festakt im Kapitelsaal wird am Morgen des 29.09. stattfinden. Und schließlich lädt die Stadt LH am selben Tag auch zu einem Festlichen Abend mit großem Büffet in die Cani-Aula ein, der mit einem Konzert der befreundeten Chöre "Camerata Nysa" und "Glocke" beginnt. Ein Festgottesdienst am Sonntag, 30.09., 10.30 Uhr in der St.-Felizitas-Kirche wird dann die Feierlichkeiten abschließen.   

 

Fotos © DPG-Lüdinghausen

Wieder einmal traf man sich zum geselligen Bigos-Abend

„Die alte Theorie, das Klima bestimme die Küche einer Nation, bestätigt sich am Beispiel von Polen und Deutschland. Die Wetterverhältnisse sind in beiden Ländern fast gleich, und dementsprechend ähnelt sich auch die Küche. […] Doch natürlich gibt es auch ein paar rein polnische Spezialitäten. Zu meinen Lieblingsgerichten zählen Zurek (saure Mehlsuppe), hausgemachter Griebenschmalz, Leber mit Äpfeln, Bigos (ein Sauerkrauteintopf mit vielerlei Fleischeinlagen), harte Winteräpfel (…] und einfache Schimmelkäsekopien“, meint der in Polen äußerst populäre Kabarettist und TV-Serien-Darsteller Steffen Möller, aufgewachsen in  Wuppertal. Ihn zitierte Karl-Heinz Kocar, als er am letzten Freitag rund 55 Mitglieder und Freunde der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Lüdinghausen zum traditionellen Bigos-Essen begrüßen konnte. Zum ersten Male traf man sich dazu  jetzt im Seppenrader Don-Bosco-Haus.

Ausdrücklich bedankte  er sich bei den acht Köchinnen, die in den Tagen zuvor ihre spezielle Bigos-Version in ihren Küchen zubereitet und zur Geschmacksverfeinerung mehrfach aufgewärmt hatten. Nun standen die Schüsseln mit dem dampfenden Gericht auf den von Edith Witt liebevoll dekorierten Tischen, und alle Gäste langten kräftig zu. Polnisches Bier der Marke „Tyskie“ und französischer Rotwein begleiteten (neben alkoholfreien Getränken) die nicht gerade kalorienarme Kost auf ihrem Weg in die Mägen. Und danach boten Achim Witt, Ursula Hölper und Karl-Heinz Kocar jedem zur besseren Verdauung auch noch ein Gläschen Wodka an. Dabei konnte sogar zwischen drei Geschmacksvariationen  gewählt werden.      

Da viele Mitglieder aus dem Singekreis „Glocke“ der DPG schon lange verbunden sind und auch beim diesjährigen Bigosmahl zugegen waren, stimmten sie auch bald deutsche und polnische Lieder an, die eine muntere Tischgesellschaft, vorher mit entsprechenden Texten versorgt, gerne mitsang.  

Fotos: © DPG-Lüdinghausen

„Wohin steuert Polen?" oder "Liegt Polen noch in Europa?“ - Vortrags- und Diskussionsabend

Das Thema des Vortrags- und Diskussionsabends am 11. Januar 2018 im Sendener Hotel Niemeyer hatte der Referent bewusst provokant formuliert: „Liegt Polen noch in Europa?“ Die Deutsch-Polnischen Gesellschaften aus Senden und Lüdinghausen (DPG) hatten gemeinsam den Gießener Privatdozenten Dr. Markus Krzoska, Osteuropahistoriker am Historischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen, als Fachmann für die Einschätzung der derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Situation in Polen eingeladen.

Vor gut 60 Gästen zitierte Krzoska zunächst aus seinem Buch „Ein Land unterwegs: Kulturgeschichte Polens seit 1945“, in dem er schon vor Jahren seine profunden Kenntnisse über unser östliches Nachbarland unter Beweis gestellt hatte. Doch im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Bewertung der aktuellen Politik der polnischen Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ („Prawo i Sprawiedliwość“, kurz „PiS“). An zahlreichen Beispielen erklärte er die innenpolitischen Maßnahmen der nationalkonservativen Warschauer Regierung und deren Auswirkungen auf die polnische Gesellschaft und die Rolle Polens in der Europäischen Union. Dabei deckte er viele Widersprüche auf: „Auf der einen Seite geht Warschau seit gut zwei Jahren immer mehr auf Konfrontation mit der EU, auf der anderen Seite ist die absolute Mehrheit der polnischen Bevölkerung froh über die Mitgliedschaft in der EU und möchte diese nicht mehr in Frage stellen.“ Die fragwürdigen Maßnahmen der PiS-Regierung reichen nach seiner Meinung von der Beschneidung der Freiheit nichtstaatlicher Medien über eine Veränderung der Geschichtspolitik bis zur Belebung alter Feindbilder. Andererseits wies Krzoska aber auch auf die Erfolge hin, die der PiS-Regierung ein derzeitiges Umfragehoch von 47 Prozent in der Bevölkerung bescherten. Dies gehe in erster Linie auf soziale Wohltaten zurück, zu denen vor allem ein neu eingeführtes monatliches Kindergeld von umgerechnet 125  € gehöre, und auf den in den Reihen der PiS-Anhänger verbreiteten Eindruck, dass die Ablösung der alten kommunistischen Kader seit 1990 nicht konsequent genug vollzogen worden sei. Außerdem sei die an fortschreitender Globalisierung orientierte Politik der vorausgegangenen liberalkonservativen Regierungen seit den wirtschaftsradikalen Reformen von Leszek Balcerowicz vor allem auf dem Lande als zu kaltherzig empfunden worden. Denn dort habe sie viele "Verlierer" produziert. Für die breite Akzeptanz der nationalkonservativen PiS-Politik sei auch das Fortwirken der Verschwörungstheorie im Zusammenhang mit dem tragischen Flugzeugabsturz von Smolensk verantwortlich, als Polens Präsident Lech Kaczynski und seine Begleiter ums Leben kamen.

In der Diskussion bewegte die Zuhörer allerdings vorrangig die umstrittene Justizreform, die praktisch eine Abschaffung der seit der europäischen Aufklärung bewährten demokratischen Gewaltenteilung bedeutet. Nach Auffassung von Krzoska wird das von der EU dagegen eingeleitete Rechtsstaatlichkeitsverfahren keine Auswirkungen auf die Maßnahmen der Warschauer Regierung haben. Sie fühle sich derzeit schon deswegen in einer starken Position, weil die polnische Wirtschaft boome und es den Bauern materiell sehr gut gehe - wenn auch dank erheblicher Subventionierung aus der EU-Kasse. Zudem hätten andere osteuropäische Staaten bereits ihre Solidarität mit Polen bekundet. Natürlich wurde in der Diskussion auch die Rolle der katholischen Kirche hinterfragt: Der Referent hält die Kirche Polens für gespalten und in großen Teilen mit der PiS sympathisierend, weil sie derzeit kaum charismatische Bischöfe habe. Angesichts der Flüchtlingsbewegungen nach Mitteleuropa - so wurde aus der Zuhörerschaft ergänzt - gebe es überdies nicht nur in den Reihen der Kirchgänger eine zunehmende Angst vor "den Muslimen" und damit vor einer Bedrohung der eigenen kulturellen Identität.

Als Historiker wagte Dr. Markus Krzoska keine Prognosen dazu, wie es in Polen in einigen Jahren aussehen könnte. Doch die provokante Frage am Anfang, ob Polen noch in Europa liege, beantwortete er mit einem klaren Ja! Die Europäische Union müsse mit der Stärkung demokratischer Verfahren und Werte auch (aber nicht nur) Polen davon überzeugen, dass es einen besseren Weg als den nationaler Abschottung gebe – und das vor allem ohne erhobenen Zeigefinger, vor allem seitens der besonders skeptisch betrachteten Deutschen!

Als Vorsitzender der DPG Senden machte Hans-Jürgen Pohl zum Abschluss deutlich, wie wichtig derzeit die Fortsetzung und Vertiefung der partnerschaftlichen und freundschaftlichen Verbindungen zu den Kommunen und Menschen in Polen sei. Und das trotz einer zunehmend kritischen Haltung (und Angst) der PiS gegenüber einem wirtschaftlich starken Deutschland innerhalb der EU.

Karl-Heinz Kocar, Vorsitzender der DPG Lüdinghausen, ließ es sich nicht nehmen, gerade jetzt auf die Bedeutung des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft von Lüdinghausen mit dem schlesischen Nysa/Neisse hinzuweisen. Das Jubiläum wird am 29. September in Lüdinghausen gefeiert, wozu Kocar auch Vertreter der DPGs Senden und Nottuln einlud.

 

Text: © Hans-Jürgen Pohl / Karl-Heinz Kocar

Fotos: © Edith Witt